Meine Inselanlage im Eigenbau

Moin,

im Vorstellungsthread wurde mir nahegelegt, meine Anlage kurz vorzustellen.

Ich habe eine größere, alte Industriehalle gemietet. Die nutze ich als Autowerkstatt und seit etwa einem Jahr auch als Wohnung.

Eigentlich gibt es hier sehr gutes Netz (Anbindung mit 35², Ortstrafo ist keine 50m weit weg an der Grundstücksgrenze),

aber da die Versorger immer frecher werden musste eine Lösung her.

Zutaten:

83 Stück Trina 245W Module, bis vor einer Woche davon nur 26 in Gebrauch.

272s 100Ah (sprich 326V Nennspannung) NiCd Nasszellen teilweise aus alten Elektroautos, teilweise Notstromzellen. Wers genauer wissen will: Saft STM5-100 MRE, SBM22-2

“Laderegler” (besser gesagt Ladeschluss-Abschalter)

Eigenbau DCDC- Wandler Eckdaten ungefähr: Uin 50 bis 600V max. Iin 100A, Uout 600V.

Wechselrichter auch Marke Eigenbau, theoretisch 3x 80A möglich, natürlich ist die Anlage durch den DCDC bei etwa 400V 100A an ihren Maximum, ich sage mal.. 30kW gehen gut.

Wichtiger als die Maximalleistung: Leerlaufverbrauch. Die Anlage läuft mit einem modifizierten Sinus, d.h. im Scheitelpunkt wird für jeweils ca 4ms nicht geschaltet. Das ist pure Absicht, da es effizienter als ein Sinus ist (die Schaltverluste im Strommaximum wären beträchtlich, auch bei wenig Last). Nachteile: keine ernsthaften, manche Geräte (PC, Audioverstärker) brummen etwas lauter als am reinen Sinus, aber dafür gibts Filter. Auch ohne Filter wäre der Unterschied minimal.

Leerlaufverbrauch der Gesamtanlage, also DCDC, WR, Raspberry, Router, Switch zusammen 115W.

Die Anlage läuft seit Januar 2025 durch, seitdem ist der Hauptschalter zwischen Zähler und Unterverteilung aus. Ist zwar theoretisch gesehen keine Insel, aber wenn man 8 Monate netzgetrennten Betrieb gemacht hat.. darf man es Insel nennen hoffe ich.

Okay, etwas detaillierter: Die Module haben ihre MPPV bei 26,8V (NOCT) und 30V STTC.

13 davon in Reihe ergibt um die 350VMPP, die Leerlaufspannung liegt bei 35V, also zusammen 455V.

NiCd wird üblicherweise so geladen: 0,2C A reindrücken bis 1,6V /Z (bei 20°C), dann 1 bis 3h “Ausgleichsladung” mit 0,02C.

Sowas ist an einer Solaranlage nicht umsetzbar. Ich sag nur: Wolken, Nacht, whatever.

Jedenfalls musste eine simple Lösung her. Und die wird im Datenblatt der Module angeboten.

Sobald man den MPP spannungsmäßig überschreitet, fällt der Strom von alleine, also muss man sich eigentlich nur die passende Anzahl Module an die passende Anzahl Akkuzellen klemmen. Spart den MPP-Tracker, alleine eine (einstellbare) Überspannungsabschaltung ist nötig. Ich handhabe das normalerweise so, dass ich die Akkus bis etwa 400V laden lasse, was darüber geht wird weggeschaltet. Fällt die Akkuspannung dann unter 380 wird wieder geladen usw. Einmal alle zwei Wochen wird eine Ausgleichsladung gemacht, d.h. bei stabil sonnigem Wetter wird die Überspannungsabschaltung deaktiviert und die Akkus dürfen bei geringem Strom zwei bis drei Stunden kochen. Danach sind alle Zellen voll und es wird wieder auf 400V max gedreht.

Ok, wir haben jetzt geladene Akkus, machen wir doch AC draus.

ich poste heute noch keine Schaltpläne, weil ich dazu erst das OK von meinem Kumpel einholen will, der sie sich ausgedacht hat. Ich habe lediglich bei der Entwicklung geholfen, bin aber nicht der treibende Kopf der Sache.

Der DCDC ist ein Konstrukt aus einem UC3843, ein bisschen Hühnerfutter, nem Shunt und einer dicken Drossel. Natürlich gehört ein Poti dazu, d.h. wenn ich 100 oder 300V gegen N haben will dreh ich einfach am Poti und der DCDC macht die passende Ausgangsspannung.

Das Ding ist dermaßen simpel und robust, dass man sich nichts besseres wünschen kann.

Der Wechselrichter war ursprünglich mal als Umbau eines Motor-FU gedacht und wurde auch so gebaut. Ich hatte vom Schrott vier Stück Simovert 6SE 7027-2ED61, die können etwa 32kW.

Die Steuerung, besser: der Signalgenerator wurde gegen eine selbstgefrickelte EPROM- Lösung ersetzt, welche die Gatetreiber steuert. Wir hatten aber ab der ersten Version einen kleinen, aber fatalen Fehler in der Software, die monatelang für Kopfzerbrechen und immer weitere Eigenentwicklung von Hardware gesorgt hat.
Mittlerweile ist der komplette Wechselrichter inkl. Schutzschaltungen eine Eigenentwicklung.

Hätten wir den Fehler früher gefunden, wäre die Anlage schon ein paar Monate früher gelaufen, aber ein Timingproblem ließ immer wieder IGBT explodieren, was dazu führte, dass zwischenzeitlich alle vier FU geschlachtet wurden und noch IGBT nachgekauft werden mussten.

Siemens hat aber auch einige komische Dinge in die FUs eingebaut, z.B. Strommessung an nur EINER Phase .. (“die anderen beiden werden schon passen”).. ist besser wenn mans selbst macht.

Die verbauten IGBT heißen BSM 150 GB 120 DN2, könnte man auch gegen dickere ersetzen. Mir reichts so.

Wichtigstes Feature beim WR (und bei der ganzen Anlage): es gibt keinen Panik–>aus-Modus.

Ein käuflicher (korrigiert mich hier, ich kenne nicht alle) WR triggert bei Überstrom fail–>abschalten. Meiner nicht. Der begrenzt den Strom einfach auf den maximal zulässigen. Und das ist Gold wert, wenn man (netzgetrennt) größere Maschinen anlaufen lässt.

Die Story ist insgesamt sehr grob und ohne Details, ich möchte nur mal einen Überblick geben und dann ggf. auf Fragen eingehen.

zu den Kosten: 245W- Module, Bj 13: 2023 für 21€/Stück gekauft. 83 Stück: 2k1€

Akkus: 21x STM5-100MRE, nicht im besten Zustand: geschenkt

25x STM5-100MRE.. größtenteils Müll: geschenkt

weitere 19 STM5-100MRE,17 davon super, 100€
136x SBM22-2: 150€

(vorher nicht erwähnte, noch nicht verbundene Akkus):

90x SBL59-2 , recht ordentlicher Zustand 50€

30x SBL70-2, Zustand bisher unbekannt: geschenkt

DCDC, WR: aus rumliegendem Schrott zusammengebaut, vielleicht 30€ an Teilen investiert

paar Sicherungen, bisschen Draht, Kabelbinder, Kabelschuhe..

Alles in allem war die gesamte bisher gebaute Anlage günstiger als eine Jahresabrechnung vom Stromversorger.

Und: noch grüner geht es nicht, oder? Alles Gebrauchtware.

Gruß Julian

PS: Bilder folgen morgen

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Wow! Meine Hochachtung!

100A mit UC3843…. Sehr sportlich. Cheap-and-dirty. Mit dem UC3843 habe ich meine ersten SMPS gebaut. 1991 war das……

Bin mal auf die Schaltpläne gespannt

Grüße aus Kärnten

ÖRa

Liest sich super, sehr unterhaltsam, eine Menge Hirnschmalz investiert und macht Lust auf mehr :+1:

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was ein upcycling projekt :star_struck: bin gespannt auf die bilder :slight_smile:

Wow sehr beeindruckend, danke fürs vorstellen.

Macht mich ein bisschen stolzer, Saarländer zu sein.:joy:

Moin,

der UC3843 schaltet natürlich keine 100A sondern treibt nur einen IGBT, das ist auch in diesem Fall ein BSM150.
Asathor: ich muss dich enttäuschen, die gesamten Ideen und Schaltpläne sind in Baden-Würtemberg entstanden. Aber wenn jemand von euch Lust auf ein bisschen Fachsimpelei und Besichtigung der Höllenmaschine hat.. gerne.

Im Bild von links nach rechts: Wechselrichter, Überspannungsschutz (=Ladeschlussschalter), DCDC- Wandler. Darunter die drei Drosseln für AC, daneben die Drossel des DCDC (aufgeteilt in zwei Einzeldrosseln). Rechts daneben eins von drei Akkuregalen.

Die Geräte könnte man deutlich kompakter bauen, die beiden Platinen für DCDC und Abschalter sind zusammen keine halbe Eurokarte. Aber die Gehäuse waren gerade da, Kühlkörper waren schon drin.. und Platz ist hier auch nicht das Problem.

Natürlich kann man auch Kabel schöner verlegen. Aber das ist halt ein gewachsenes Ding, das keinen Optikpreis gewinnen soll. Leichte Zugänglichkeit ist mir wichtiger als hübsche Kabelführung.

Zweites Bild: ist denke ich selbsterklärend. Die Datenerfassung erfolgt mit zwei INA226- Boards (Shunts wurden angepasst). Gemessen wird Solarstrom und DCDC- Eingangsstrom per Wandler sowie die Akkuspannung (die ja dank Direktverbindung gleichzeitig die Modulspannung ist).

Daraus lassen sich die reslichen Werte berechnen. Erfasst werden die Daten mit einem Raspberry Pi, auf dem InfluxDB läuft. Die Daten werden zwischengespeichert und können über das Netzwerk abgerufen werden.

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und davor hängt ein Schild “Offene Teile können Spannung führen - Lebensgefahr” und “Zugang nur für Befugte”

Offene Teile führen relativ sicher Spannung, ja. Und .. hier gibt es nur Befugte. Die wissen das, denn sie haben das Ding gebaut, was das Schild überflüssig macht.

Ich würde mich übrigens freuen, wenn wir auf Sicherheitsthemen komplett verzichten könnten. Meine Beiträge richten sich an interessierte, fachkundige Leute, die, wenn sie einen (teilweisen) Nachbau anstreben wissen was sie tun.

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Ich bin mir nicht sicher ob jemand so Chaos nachbauen möchte. Machs doch einfach ordentlich, dann übt hier auch niemand Kritik.

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Also ich habe mich in diesem Forum angemeldet um meine Anlage vorzustellen und mit motivierten Gleichgesinnten zu fachsimpeln, gegebenenfalls ein paar Ideen fallen zu lassen, die anderen weiterhelfen können.
Leute, die selbst nichts auf die Beine stellen (oder es gerade mal schaffen, ein paar fertig gekaufte Geräte aufzustellen und Kabel anzustecken), mögen sich von diesem Thread bitte fernhalten.

Wenn es so weiter geht, bin ich genau so schnell wieder weg.

Stromsparer99: du kannst deine Kabel so verlegen wie du möchtest, gleiches gilt für mich.

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Lass Dich von Stänkerern nicht ärgern, ignoriere sie einfach. Das Endergebnis zählt und das ist eine funktionierende Elektronik.

Häufig funktionieren Schaltungen auch nicht mehr, wenn sie von wild-verdrahtet auf “schön” (also Platine umgesetzt werden.

Auch so manche Hochfrequenz-Elektronik ist bei mir als “Dead-Bug”-Lösung auf Basismaterial entstanden

ÖRa

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@berny
ich sehe viel, verstehe nix und bin begeistert, was du und dein Freund aus Abfällen gebaut habt. Das ist faszinierend für mich als Laie.

Wenn du magst, dann beschreib uns den Aufbau. Rechts sehe ich die Zellen im Schwerlast Regal. Links oben ist eine Sammlung von Elko´s und unten sind fette Trafos´(warum 4?). Wo sind die Leistungshalbleiter, wo sitzt die Steuerung?
Ich sehe auch kaum dicke Kabel, nach deiner Beschreibung sollen 100 A fließen. Wo strömen die den lang?

Jedenfalls von mir bekommt ihr Respekt und Hochachtung!

L.G.

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Hallo Ralf, ich werd mir Mühe geben.
Ich poste jetzt einfach nach und nach ein paar Pläne und Erklärungen und wir sehen dann wieviel Interesse besteht. Die meisten haben sich ja bisher auch positiv geäußert, zumindest bevor das Foto kam.
@deff Die Sammlung von fetten Elkos gehört zum WR, über den ich jetzt noch nichts schreiben will, sonst wird es unübersichtlich. Die Trafos sind die oben beschriebenen Drosseln. Es gibt schon einige Kabel bis 25mm², man sieht das vielleicht auf dem Foto einfach nicht so detailliert. Danke dir für die Blumen.

Ich denke, der sinnvollste Weg ist es, den Weg des Stroms von den Solarmodulen bis zur Steckdose zu verfolgen.

zu den Modulen: Ich habe wie oben geschrieben fünf Stränge aus je 13 Trina TSM-PC05.08 13s5p ohne irgendwelche Regler, MPPTs oder ähnlichem. Einfach stumpf parallel geschaltet.

Dann geht’s rein zur ersten Blechkiste. Der Gerät sorgt einfach dafür, dass bis zu einer einstellbaren (Poti) Maximalspannung Strom aus den Modulen in die Akkus fließt, steigt die Spannung weiter an, werden die Module kurzgeschlossen. Ich bin ziemlich sicher, dass man diesen “Laderegler” auch an LiFePo, Li-Ion oder Blei benutzen könnte, lediglich die Hysterese (bei mir 18V) müsste etwas geringer ausfallen, die Widerstände müssten auf die Akkus/Module angepasst werden.

Der verwendete IGBT SKM50 ist ein 50A-Typ, der so langsam an seine Grenzen kommt und fals noch mehr Module dazu geklemmt werden gegen einen 100A- Typen getauscht wird.

ueberspannungsschutz.pdf (7,0 KB)

Danke für die Erläuterung, weitere werden mit Spannung (!) erwartet.

Die Ladeschutzschaltung ist also PWM mit Kurzschluss der Module. Kenn mich mit IGBT nicht aus, nur Mosfet. Wäre es möglich, mit dem Transitor statt Kurzschluss den Strom zum Akku zu unterbrechen, also “Akku an” wenn voll “Akku aus”. Ich frage mich, wo die kurz geschlossene Leistung bleibt? Müsste doch irgend etwa recht warm werden. Bei der An-Aus Schaltung wird die Solarernergie nicht mehr aus den Modulen abgerufen. Bei deiner Schaltung wird sie irgendwo verheizt oder hab ich was falsch verstanden?

L.G.

Im Grunde genommen kann man das auch mit einem MOSFET machen. Du brauchst allerdings einen, der die Leerlaufspannung aushält UND den Kurzschlussstrom der Module schalten kann. Dazu sind IGBT einfach besser geeignet und auch günstig verfügbar. Ich find auch Gehäuse mit Schraubanschlüssen sympatischer als zu lötende Pins. Es geht aber beides. Die im Gehäuse des SKM gezeichnete Diode müsste man dann noch hinzufügen und die Zenerdiode anpassen (5V).

Eine PWM gibt es nicht, der NCP301LSN30T1 schaltet einfach beim Überschreiten einer gewissen Spannung den Ausgang high. Beim verwendeten Typ sind das 3V, die auf der Eingangsseite per Spannungsteiler aus der Solarspannung ..geteilt werden.

Die kurzgeschlossene Leistung ist minimal. Denn die Spannung wird beim Kurzschluss nahezu Null.

Sagen wir das Poti steht auf “Abschalten bei 400V”, es fließen 20A @399V in den Akku, die Spannung steigt und der NCP wird ausgelöst. Jetzt fließen durch den IGBT geschätzt 40A, der Kurzschlussstrom der Module bei gegebener Sonne. Aber im IGBT selbst fallen nur ca. 2,5V (siehe Datenblatt Vcesat), ab, die verheizte Leistung beträgt also 100W. Natürlich, die Module und die Kabel werden auch warm, aber das ist vernachlässigbar wenig.

Man kann die Module auch von den Akkus trennen ohne sie kurzzuschließen.

Danke,
verstanden. Die 100 W sind erstaunlich wenig, aber wenn der IGBT das verheizt, braucht er doch gewiss eine große Kühlfläche, oder?

Lass dich von den wenigen Stinkstiefeln hier im Forum nicht ärgern.

Es sind immer die selben mit den immer gleichen Aussagen.

Ich persönlich freue mich hier mal wieder etwas interessantes zu lesen.

Dass es nicht im Saarland entstanden ist - ich hätte es wissen müssen :see_no_evil_monkey:

@asathor Doch, doch, zumindest aufgebaut, getestet, angepasst und modifziert wurde die Anlage hier. Danke auch für die aufmunternden Worte.

@deff Ja, der sitzt auf einem Kühlkörper. Bedenke aber auch dass die 100W eine Art worst-case- Szenario darstellen und nicht dauerhaft anliegen. Sobald die Akkus unter 400-18=382V fallen (das geht recht schnell) schaltet das Ding ja wieder ein. Bei Grundlast (unter 1A) und voller Sonne führt das zu einer Taktung von etwa 10/90 oder 20/80. Ist die entnommene Leistung größer oder die Sonne nicht so stark, steigt auch der Tastgrad. Über einen längeren Zeitraum kann man also grob die Hälfte der Verlustleistung annehmen.

Man sieht in blau den Solarstrom bei reacht vollem Akku und konstanter Einstrahlung. Rot ist der aus dem Akku entnommene Strom.
Wenige kurze Peaks, die den Akku laden, gefolgt von längeren Pausen. Dann habe ich Verbraucher angeschaltet (rot steigt an) und die Taktung des Abschalters wurde entsprechend dem Verbrauch angepasst. Längere an- und kürzere Auszeiten.

Man kann also eigentlich schon fast von einer PWM sprechen, jedoch ist die Frequenz im Gegensatz zu einer echten PWM variabel.

Ich akzeptiere das als Frankenstein system, , und sowas hab ich gerade auch gepostet.

Also bitte, weiter vorstellen!

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