Victron ESS selbst konfigurieren - rechtliche Auswirkungen/Versicherung

Evtl. schon anderswo erwähnt/diskutiert, konnte aber keinen Thread dazu finden:

Möchte ein Victron ESS installieren, relativ straight-forward (MP2 5000 + Pylontech Akkus + evtl. später Laderegler). Es gibt ja genügend Pläne und Diskussionen im Netz. Die DC-Seite zu verkabeln traue ich mir zur Not selbst zu (keine elektrische Ausbildung, aber mutig). Den Anschluss an der AC-Seite könnte mein Solarteur machen. Der sagt aber er hat von Victron und der Konfiguration keine Ahnung und dürfe das nicht konfigurieren, weil er nicht beim Hersteller hinterlegt ist (?). Anschließen würde er es. Was ich so bisher sehe scheint die Konfiguraiton aber auch nicht allzu schwierig.
Wenn ich die Konfiguration und DC-Verkabelung nun selbst mache, was hat das für (rechtliche) Konsequenzen? Die Anmeldung beim Netzbetreiber müsste wohl auch der Solarteur machen. Wenn dann später was Schaden nimmt geht, wer haftet? Worst-case Szenario, das Ding fängt an zu brennen und mein Haus brennt ab. Wie sieht die Versicherung, dass ich den Victron selbst konfiguriert habe? Darf ich das oder nicht? Fehler sind ja nie auszuschließen sobald Menschen im Spiel sind...

Danke schonmal für Input!

Ich hab's auch komplett selbst eingerichtet und mein Elektriker hat das Teil angemeldet. Ihn haben die "Innereien" des MP2 eher weniger interessiert, wichtig war ihm nur, dass die AC-IN-Seite spannungsfrei im Fehlerfall ist und die FIs korrekt auslösen.

Du brauchst einen Elektriker der beim EVU konzessioniert ist und dir den ganzen Kram abnehmen kann, ob dein Solarteur das kann? Du kannst dir übrigens den MP2 auch von vernünftigen Händlern schon vorkonfiguriert liefern lassen.

Von mir noch drei Worte zur DC-Seite: Auf ausreichenden Querschnitt achten (im Zweifelsfall lieber großzügig montieren), DC-(Band-) Sicherungen verwenden, DC-Lasttrennschalter mit ausreichender Spannung und Strom (Vorsicht bei Chinaware), alle Muttern/Schrauben mit Drehmomentschlüssel anziehen, alle offenen Teile, die unter Spannung sind, mit entsprechenden Tüllen o.ä. gegen Kurzschlüsse vor z.B. herabfallenden Metallteilen (z.B. Metallkugelschreiber, Schraubendreher) schützen. Da darf hinterher nichts "offen" sein, was Du berühren könntest und unter Spannung steht, sonst ist durch irgendein fast undenkbares Ereignis der Kurzschluß schon vorprogrammiert.

Ich habe da im Web schon Bilder von solchen DIY-Akkubanken gesehen, da standen mir die Haare zu Berge: Alle Pole offen, kein Berührschutz, gar nichts. Der erste Schraubendreher, der dem Bastler beim Bücken aus der Hemdtasche fällt, kann schon für einen Kurzschluß sorgen.

Wenn Du die Möglichkeit dazu hast, würde ich am Ende mit einer Wärmebildkamera nach irgendwelchen Stellen fahnden, die ungewöhnlich warm werden (z.B. irgendwelche losen Schraubverbindungen). Der Raum, in dem alles stattfindet, sollte einen eigenen Rauchmelder haben - die kosten doch nichts.

Wenn Du einen Drucker daheim hast, dann erstellst Du Warntafeln mit der richtigen Abschaltreihenfolge in sehr großen Buchstaben auf einem DIN A4-Blatt, steckst sie in Folien und klebst sie vor Ort gut sichtbar fest, so daß auch wildfremde Personen die Anlage ggf. abschalten können. Das klingt jetzt völlig übertrieben, kostet aber nichts und ist ein gewaltiger Sicherheitsgewinn. Es gibt für solche Anwendungen auch fertige Tafeln zum Anschrauben oder Aufkleber für wenige Euro im Handel. Wichtig ist, daß Du im Falle eines Falles nicht mehr denken mußt, sondern daß nachher ganz klare Anweisungen vor Ort sind, wie die ganze Geschichte in der richtigen Reihenfolge abgeschaltet werden kann.

Um Deinen MP2 mache ich mir die allergeringsten Sorgen. Die eigentliche Gefahr geht vom Akku und dessen Strömen aus.

Daniel

1 „Gefällt mir“

Wenn der Solarteur meine PV angemeldet hat, muss er dann nicht sowieso beim EVU konzessioniert sein? Was bedeutet eigentlich konkret "Abnahme"? Gibt es dazu etwas schriftliches, z.B. indem er die Anmeldung beim Netzbetreiber macht, oder ist das einfach nur ein Besuch bei dem er sich mal alles anschaut?

Danke für die Tips bzgl. Sicherheit. Macht alles Sinn und werde ich befolgen. Eine Wärmebildkamera kann man glaube ich ausleihen. Ich möchte den Akku eigentlich am liebsten in ein komplett abgeschlossenes Rack/Schrank stellen, da er unweit von meiner Werkbank stehen wird.

Wie sieht es denn trotzdem in einem Fehlerfall/Katastrophenfall aus? Sollte man den Akku auch der Versicherung melden?

Ja.

Was du vom Elektriker brauchst, ist im Prinzip nur eine schriftliche Fertigmeldung. Damit bestätigt der Elektriker quasi, dass er diverse Tests gemacht hat und dass alles den TAB entspricht. Die Anmeldung an sich kannst du selbst machen.

Es könnte sein, dass ein Gutachter der Versicherung dir im Brandfall grobe Fahrlässigkeit unterstellt.

Also achte darauf, dass die Gebäudeversicherung auch bei grober Fahrlässigkeit zahlt, einige schliessen das aus.

Der Gebäudeversicherung würde ich einfach die PV_Peak der Module und die kWh der Batterie melden, das habe ich zumindest gemacht und dann ein neues Angebot bekommen und angenommen.

Ich habe die komplette DC-Seite, als auch die Verschaltung von den Solarpanels komplett selbst gemacht. Für die AC-Seite habe ich einen Elektriker meines Vertrauens mit den entsprechenden Zulassungen bei dem Netzbetreiber. Darüber lief auch die Anmeldung und die spätere Abnahme.
Nun aber zur Technik:
Ein MP2-5000 mit Pylontech-Akkus wird Dir nicht helfen. Die sprechen nicht mit einander. Entweder also einen MP2-5000GX, oder ein externer Cerbo GX oder den neuen Ecrano. Ohne Venus-OS kein ESS.
Zum programmieren brauchst Du für das erste mal eigentlich nur das VE-Portal, danach aber zwingend ein MK3-Interface. Sonst geht das nicht mehr komfortabel.
Denk daran, vor einer Verbindung auf der DC-Seite mit einem Vorwiderstand vorzuladen. Sonst versaut Dir der Impulsstrom die Gewinde von der Busbar.
Sicherungen: KEINE SICHERUNGEN VOM A..LDI, sondern was vernünftiges. Gerne auch M.EGAFUSES. Die kleinen Schmelzsicherungen sehen ja niedlich aus, verursachen beim Auslösen aber einen prima Lichtbogen. Willst Du nicht.
Die DC-Seite ist nicht trivial. Hier entstehen, bedingt durch die hohen Ströme, eher die Risiken. Abgebrannte Akkus und Pfusch beim Crimpen sieht man leider fast jeden Tag.

das Interface braucht man nicht zwingend. Ich habe einfach über das Online-Portal und der Sofware von Victron alles konfiguriert und anschließend die Konfig wieder über das Online Portal hochgeladen. Ging super einfach.. Ich meine das hat "Meine Energiewende" mal auf YouTube gezeigt, wie das geht.

mfg

Ja, dass ich einen Cerbo (o.Ä.) brauche ist klar. Hab nicht jedes Einzelteil aufgelistet :wink:

Gibt es dazu eine Anleitung irgendwo? Bzw. gibt es ein Tutorial/FAQ in dem alles zusammengeschrieben ist? Ich habe viel Wertvolles in Foren und Blog Posts gefunden, aber eben sehr verteilt.

Aber verstanden, werde auf der DC-Seite bzgl. Leitungen und Sicherungen nicht sparen ?

Macht Sinn. Grobe Fahrlässigkeit schließt meine Versicherung nicht aus. War mir beim Abschluss sehr wichtig.

Gibt es dazu ein Vordruck bzw. bestimmtes Schriftstück aus der VDE?

Schreib deiner Wohngebäudeversicherung eine Mail bzw rufe deinen Versicherungsmakler an. Bei mir war es so, dass die HUK24, das Haus nicht mehr versichern wollte, weil meine PV-Anlage mit 23 kWp zu groß war, auch wenn die Anlage selbst über eine andere Technik-Versicherung läuft ... Ich musste dann zur HUK-COBURG wechseln, die haben das "erhöhte" Risiko problemlos übernommen bzw der Vertrag war dan viel individueller.

Ich habe vor 2 Wochen mit einem Makler für PV-Versicherungen geredet: egal was in deinem Haus brennt, der Brandfall ist erstmal durch die Wohngebäudeversicherung gedeckt (es könnte ja auch dein Auto in der Garage brennen ... Dann zahlt ja auch nicht die Versicherung des Autos für die Brandschäden am Haus). In der Versicherung sollten auch Schäden aus Verpuffung, Rauch und Explosionen eingetragen sein, das ist nämlich kein Brand

Zur Anmeldung: lass das deinen Elektriker/ Solarteur machen, das ist für den nur ein Klick im Portal des EVU und für alle Seiten am einfachsten. Zur Abnahme kommt niemand vorbei

Vorladen mit Vorwiderstand musst du nicht, wenn du Pylontech-Akkus verwendest.

Die Wohngebäudeversicherung zahlt erstmal, das ist richtig.....ich denke aber dass die dann versucht, sich das Geld dann bei der KFZ-Versicherung zu holen

[quote]

In der Versicherung sollten auch Schäden aus Verpuffung, Rauch und Explosionen eingetragen sein, das ist nämlich kein Brand. [/quote]

Nicht das glauben was der Versicherungsmakler erzählt, am besten selbst die VGB lesen....

Die HUK deckt Sengschäden/Schmorschäden/Rauch durch Akku / PV-Anlage anscheinend nicht ab :

Die Versicherungsbedingungen sind teilweise verworrener als ein Gesetzestext. Ich kann nur empfehlen sich schriftlich bestätigen zu lassen, dass XY so ok ist, was man aus den Versicherungsbedingungen herausgelesen gemeint zu haben.

Die Frage ist dann aber eher wie der Rauch entsteht: der Akku qualmt ja nicht vor sich hin, sondern es gibt es gibt eine Verpuffung/ Explosion, wenn das Überdruckventil platzt (sieht man jedenfalls auf den ganzen Videos im Netz) meistens wird dabei etwas brennen. Der Punkt 2.2.9 gilt doch nur für Spezialfälle, die eben kein Brand usw sind. Den Rest wird man eh vor Gericht klären, gerade wenn ein ganzes Haus unbewohnbar geworden ist.

Ansonsten wäre es mal ganz interessant zu wissen welche Versicherung die Schäden aus einer Hausbatterie wirklich komplett abdeckt.

Leicht off-topic, aber nachdem die Werkbank nun steht ist der Abstand zur Wand doch relativ klein. Ist es überhaupt möglich dort eine Batterie unterzubringen? Ein 19" Rack würde nur links an die Wand passen (also quasi 90° gedreht)...Direkt auf der Rückseite der Wand ist der Zählerkasten - von daher ist der Platz ganz geschickt. Neben der Werkbank müsste natürlich noch eine Trennwand o.Ä. rein.

Es gibt auch "Hochkant" Akkus mit 48V - allerdings nicht von Pylontech, dann aber von Deye und anderen. Die kannst du an die Wand hängen. Sind dann halt höher als die normalen Akkus, aber nicht so tief. Akkus sollten nur in der Orientierung betrieben werden, die vom Hersteller vorgesehen sind

eine seplos mason box passt da wohl gerade so noch rein von der Breite her

Hallo zusammen,

Ich hatte mich auch mal in das Thema eingelesen, da ich darüber nachdenke einen Multiplus mit Pylontech Akkus nachzurüsten.

Ist es nicht richtig, dass der Speicher lediglich im Marktstammdatenregister eingetragen werden muss? Das könnte man doch auch selbst übernehmen, oder?

Ist damit alles erledigt, oder muss der Speicher nochmal gesondert irgendwo gemeldet werden?

Gruß Daniel

Wenn du eine bestehende Anlage (wo schon der Multiplus mit einer Batterie angemeldet ist) nur um einen weiteren Pylontech Akku erweitern willst, dann geht das nur im Marktstammdatenregister. Wenn du eine bestehende Anlage um einen Multiplus+Akku erweiterst, dann meldest du das auch beim Netzbetreiber ab. Der Multiplus ist schliesslich ein Wechselrichter und kann/könnte einspeisen.